2022 - Kammerkonzert - Alte Kirche Götzis

Donnerstag, 8. Dezember 2022, 17:00 Uhr
Maria Empfängnis

 

Dirigent

Benjamin Lack

Leitung

Markus Ellensohn

Solist

Andreas Schuchter (Horn)

Programm

Jan Dismas Zelenka (1679-1745)
Ouverture in F-Dur ZWV 188

  • Grave - Allegro - Grave
  • Aria
  • Menuett
  • Siciliano
  • Folia

Antonio Rosetti (1750-1792)
Hornkonzert in Es-Dur RWV C 49

  • Allegro moderato
  • Romanze: Adagio non tanto
  • Rondo: Allegretto non troppo

Joseph Martin Kraus (1756-1792)
Symphonie in F-Dur VB 130

  • Allegro
  • Andante
  • Presto

Vergessen und wiederentdeckt – drei Komponistenschicksale

Jan Dismas Zelenka (1679-1745) Zelenka wurde 1679 im heutigen Tschechien geboren, in Prag ausgebildet und war als Musiker und Komponist am sächsischen Hof in Dresden tätig. Bis in die 1970er-Jahre war er völlig unbekannt, dabei werden seine Kompositionen heute in den Rang eines J.S.Bach gestellt. Es wird ihm große kontrapunktische Meisterschaft attestiert, mit einer Vorliebe für ungewöhnliche Modulationen, ja regelrechte harmonische „Rückungen“. Chromatisch gefärbte Melodik und rhythmische Anleihen aus der tschechischen Volksmusik lassen seine Musik auch so einzigartig - ja fast gewagt - erscheinen. Die Ouverture in F ZWV 188 wurde 1723 als „Ouverture à 7 concertanti“ für die Krönungsfeierlichkeiten des böhmischen Königs Karl II. in Prag komponiert. Es ist die einzige, welche Zelenka im traditionellen Stil der „französischen Suite“ verfasste.

Antonio Rosetti (1750-1792) Als Franz Anton Rösler um 1750 in Böhmen geboren, änderte er vermutlich der damaligen Mode entsprechend, seinen Namen auf Antonio Rosetti, was noch zu Lebzeiten zu Verwirrungen um seinen tatsächlichen Namen und gar um seine Identität führte. Bei den Jesuiten in Prag ausgebildet, war er ab 1773 am süddeutschen Hof von Oettingen-Wallerstein als Kontrabassist und später als Kapellmeister angestellt. Sein Konkurrent um diese Anstellung war übrigens kein geringerer als W.A.Mozart. Rosetti genoss zu Lebzeiten internationales Ansehen, seine Werke wurden in einem Atemzug mit jenen von Haydn und Mozart genannt. Das Hornkonzert in Es RWV C 9 ist 1779 entstanden und dem Hornisten Carl Thürrschmidt (1753-1797) gewidmet. Rosetti leistete mit seinen 17 Hornkonzerten einen wesentlichen Beitrag für die Entwicklung des Waldhorns. Typisch für diese Konzerte sind u.a. die Verwendung von zwei Violastimmen, langen Orchestervorspielen und Jagdmotiven im 6/8-Takt.

Josef Martin Kraus (1756-1792) Kurioser Weise wurde Kraus im gleichen Jahr geboren wie Mozart und starb ein Jahr nach ihm. Der sogenannte „schwedische Mozart“ war lange Zeit vergessen und wurde erst in den letzten Jahrzehnten wiederentdeckt. Er wuchs in Mannheim auf, besuchte das dortige Jesuitengymnasium und war nach Musik-, Philosophie und Jus-Studium ein umfassend gebildeter Zeitgenosse. Er wirkte ab 1778 vorwiegend in Schweden (Hofkapellmeister, Leiter der Oper in Stockholm) und unternahm mehrere „Kunstreisen“ durch Deutschland, Italien, Frankreich und England. In den über 200 überlieferten Werken sind natürlich Einflüsse der „Mannheimer Schule“ erkennbar. Die Musik von Kraus zeigt aber ausgeprägte persönliche Stilmerkmale mit fast schon romantischer Klangvorstellung, außergewöhnlichen Kontrastreichtum und kraftvoller Melodik – Musik mit Geist und „Action“ könnte man auch etwas salopp sagen.

Markus Ellensohn