Programm
Johann Stamitz (1717-1757)
Sinfonia in G-Dur
- Allegro
- Andante
- Presto
Jan Krtitel Jiri Neruda (1707-1780)
Trompetenkonzert in Es-Dur
- Allegro
- Largo
- Vivace
Ignaz Holbauer (1711-1783)
Sinfonie in B-Dur
- Andante - grazioso con sordino
- Allegro staccato
- Minuetto
- Trio
- Caccia - Allegro molto
Am Hof der Kurfürsten
Johann Stamitz (1717-1757) gilt als eine der Gründungsfiguren der sogenannten „Mannheimer Schule“, die die Entwicklung der klassischen Musik maßgeblich beeinflusste. Das Ausreizen starker dynamischer Kontraste und rasante Crescendi waren nach der typischen Terrassendynamik der Barockmusik eine aufregende Neuerung und begeisterten das Publikum. Möglich gemacht hatte dies Johann Stamitz, am Hof des Mannheimer Kurfürsten Carl Theodor von der Pfalz wirkend und das dortige Orchester als Konzertmeister und Musikdirektor zu international gefeierten Leistungen bringend. Dessen hohe Präzision, Spielkultur und Disziplin führten dazu, dass Stamitz‘ Meisterschüler, so auch Christian Cannabich, die Ausbildung des Orchesternachwuchses übernahmen. Somit durchlief das gesamte Orchester dieselbe Schule und Methodik. Monetäre Unterstützung erhielten die Musiker vom Kurfürsten, und so konnten sich alle ohne Nebentätigkeiten auf die Perfektion ihrer musikalischen Tätigkeit konzentrieren. Stamitz‘ Sinfonien galten in Folge als strukturelle Blaupause für viele folgende Meisterwerke.
Johann Babtist Neruda (1711-1776) kam, ebenso wie Stamitz, ursprünglich aus Böhmen und erspielte sich 1741 als Violinist in Dresden schnell den Ruf eines gefeierten Virtuosen. Dadurch stieg er in der Hierarchie des dortigen Hoforchesters rasch auf und seine Kompositionen verbreiteten sich durch ganz Europa. Sein Trompetenkonzert in Es-Dur war ursprünglich für das Corno da Caccia komponiert (kleineres Horn mit Trompetenmundstück). Das Werk erlangte erst 1968 durch eine Adaption für moderne Trompete größere Bekanntheit und zählt heute neben jenen von Haydn und Hummel zu den am häufigsten gespielten Konzerten.
Der Wiener Komponist Ignaz Holzbauer (1711-1783) war zuerst Kapellmeister in Stuttgart, bevor er nach der erfolgreichen Aufführung seiner Oper „Il figlio delle selve“ 1753 dem Ruf des Kurfürsten Carl Theodor folgte. So wurde er ein weiterer - in Werkkomposition äußerst vielfältiger - Kollege von Johann Stamitz beim Mannheimer Hoforchester und ebenfalls für die Ausbildung des musikalischen Nachwuchses zuständig. Das Musikstudium musste Holzbauer allerdings heimlich beginnen, da sein Vater ein Jurastudium verlangte. Hätte er sich nicht durchgesetzt, wäre er später nicht von Mozart selbst für sein Können als Komponist und Kapellmeister gelobt worden.
Darius Grimmel