KONZERT
ALTE KIRCHE GÖTZIS

 

So. 8. Dez. 2019, 17.00 Uhr
Mariä Empfängnis

 

 

Laida Alberdi - Violine
Alexandr Karakhanyan - Violoncello

 

Leitung:
Markus Ellensohn

 

Orchester
Galerie
Kritik VN (U. Fehle)
Kritik VN (E. Schmidt)

 

Freiwillige Spenden

 

 

 

Programm:

Giuseppe Antonio Brescianello (1690 - 1758)

Symphonie op. 1 Nr. 5 F-Dur
Allegro - Adagio - Presto

 

Antonio Vivaldi (1678 - 1741)

Konzert für Violine, Violoncello und Orchester
B-Dur RV 547
Allegro moderato - Andante - Allegro molto

 

Johan Halvorsen (1864 - 1935)

Passacaglia g-Moll, op. 6/8 für Violine und Violoncello
nach der Passacaglia aus der Cembalo-Suite Nr. 7 HWV 432 von Georg Friedrich Händel (1685 - 1759)

 

Edvard Grieg (1843 - 1907)

"Aus Holbergs Zeit" Suite im alten Stil op. 40 G-Dur
für Streichorchester
Präludium - Sarabande - Gavotte und Musette - Air - Rigaudon

Barock zwischen Venedig und Oslo

Über Guiseppe Antonio Brescianello ist sehr wenig bekannt, seine Biographie ist kurz und seine Werkliste ist nur unvollständig. Er wurde 1690 in Bologna geboren, trat mit 25 eine Stelle als Geiger am Hof des bayrischen Kurfürsten in München an und wechselte nur ein Jahr später als „Musique Directeur“ und „Maitre des concerts de la chambre“ an den Württembergischen Hof nach Stuttgart, dem er bis zu seinem Lebensende als „Oberkapellmeister“ treu bleiben sollte. Ganz der venezianischen Tradition verpflichtet, schuf er originelle, phantasiereiche und virtuose Werke für verschiedene Soloinstrumente oder für Orchester. Sein Opus 1, die „XII Concerti et Sinphonie“ sind vergessene Violinkonzerte und Sinfonien von sprühender Musizierlaune und außergewöhnlichen Effekten.

So ist der musikalische Bogen von Stuttgart nach Venedig fast schon vorgegeben und ganz leicht zu spannen: mit Antonio Vivaldis Doppelkonzert für Violine und Violoncello kommt der wohl bekannteste Musiker dieser Zeit zu Wort. Hier werden an die Soloinstrumente höchst virtuose Anforderungen gestellt, auch der Cello-Part verschiebt hier die damaligen spieltechnischen Grenzen weiter nach oben und treibt die Emanzipation des Cellos als Soloinstrument weiter voran.

Mit dem Norweger Johan Halvorsen wendet sich das musikalische Geschehen in nordische Bahnen ohne sich von barocken Stilelementen weit zu entfernen: der Dirigent und Komponist von 30 Opern zählte Edvard Grieg zu seinen Vorbildern (er war auch mit dessen Nichte verheiratet) und ist vor allem unter den Streichern durch seine 1894 entstandene „Passacaglia“ bekannt, einem Werk das sich an einem Thema von Händel orientiert und ein echter „Klassiker“ unter den Geigen-Cello Duos wurde. Beeindruckend, wie Halvorsen die beiden Instrumente behandelt, ihnen klangliche Experimente erlaubt, sie kommunizieren lässt, um im nächsten Augenblick wieder davon zu stürmen.

Edvard Grieg orientierte sich mit seiner beliebten „Holberg-Suite“ ebenso an barocken Formen, was damals zu Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts gerne durch den Zusatz „im alten Stil“ legitimiert wurde. Das Werk entstand 1884 zum 200. Geburtstag des Dichters Ludvig Holberg zuerst als Klavierstück, wurde vom Komponisten später für Streichorchester umgeschrieben und fand sogleich Eingang in das große klassische Streichorchesterrepertoire. Es handelt sich um originelle, charakteristische barocke Tänze mit doch deutlich romantischem Touch. Ein einzigartiges Beispiel für eine gelungene Fusion und gegenseitige Befruchtung verschiedener Musikstile und Epochen.

                                                                                                          Markus Ellensohn