KONZERT
ALTE KIRCHE GÖTZIS
 
 
 
Solisten:
Anja Baldauf - Querflöte     
Joachim Tschann - Violine

Jürgen Natter - Cembalo

Leitung:
Markus Ellensohn

Samstag, 4. April 2009, 20.00 Uhr

Eintritt: Freiwillige Spenden

Programm
 
ANTONIO VIVALDI (1678 - 1741)
Sinfonia Nr. 1 C-Dur RV 719
Allegro
Andante
Presto
 
JOHANN JOACHIM QUANTZ (1697 - 1773)      
Flötenkonzert G-Dur Nr. 161 QV 5: 174
Allegro assai
Arioso e mesto
Presto
 
PIETRO ANTONIO LOCATELLI (1695 - 1764)  
Violinkonzert Nr. 1 D-Dur aus "L´arte del Violino" op. 3
Allegro - Capriccio
Largo
Allegro - Capriccio
 
GIOVANNI BATTISTA SAMMARTINI         
(ca. 1700 - 1775)
Sinfonia A-Dur  JC 62                                    
Presto
Andante e pianissimo
Presto assai 
 
                                                                   
                                                                   
                                                                 
 

Beim diesem Konzert des Orchestervereines Götzis gelangen vier Werke zur Aufführung, deren Komponisten in vielerlei Hinsicht Wesentliches für die Entwicklung der betreffenden Instrumente bzw. musikalischen Formen beigetragen haben:

 

Johann Joachim Quantz, einer der bedeutendsten Flötenspieler des 18. Jahrhunderts, wurde als Sohn eines Hufschmiedes geboren und erlernte in seiner Ausbildung zum Stadtpfeifer nicht weniger als 11 Instrumente. Durch ausgedehnte Studienreisen durch ganz Europa (Dresden, Wien, Rom, Neapel, Venedig, Paris, London) hatte er wie kaum ein anderer Einblick in die verschiedenen musikalischen Strömungen seiner Zeit, was auch erklären mag, dass sein musikalisches Ideal in der Vorstellung des „vermischten Geschmacks“ lag: in der Verbindung von kontrapunktischen Elementen mit italienischen und französischen Stilmitteln.

 

Als  „Kammermusikus und Hofkomponist“ des Königs Friedrich II. von Preußen, komponierte er etwa 300 Flötenkonzerte, die meisten dem König gewidmet, dem er auch täglich Flötenunterricht erteilte. Außerdem baute Quantz selbst Flöten, verbesserte sie durch das Hinzufügen einer zweiten Klappe und verfasste das umfassende und heute noch bedeutende Lehrwerk „Versuch einer Anweisung die Flöte traversière zu spielen“.

 

Pietro Antonio Locatelli war (aus Bergamo stammend, Schüler von Corelli, Wohnsitz nach Mantua, Kassel, Berlin ab 1729 in Amsterdam) nicht nur ein außergewöhnlicher Komponist, sondern auch ein Instrumentalist, der mit seinen virtuosen Fähigkeiten als Geiger ganz Europa in Erstaunen versetzte. Hohe Lagen, komplexe Triller und Doppelgriffe, Arpeggios, weite Intervallsprünge in rasendem Tempo – nur Nicolo Paganini wagte (ein Jahrhundert später) vergleichbar schwierige Passagen. So wird Locatelli wohl zu Recht als Paganini´s Vorbild gehandelt, was ihm den Ruf des „Paganini des 18.Jahrhunderts“ einbrachte.

 

Seine 12 Violinkonzerte stehen zwar in Vivaldi´s  dreisätziger Tradition, dennoch ergänzt Locatelli seine Konzerte jeweils mit zwei „Capricci“: ausgeschriebene Solokadenzen, welche später auch selbständig als Violinstudien („L´arte del Violino“) veröffentlicht wurden.

 

Der venezianische Komponist Antonio Vivaldi fand in seine Heimatstadt als Komponist und Geiger sehr gute Arbeitsmöglichkeiten, war bald in ganz Europa berühmt und Vorbild für Generationen von Komponisten. Auch seine zahlreichen Sinfonien wurden schnell bekannt und geschätzt. Vivaldi komponierte neben seinen 500 Solokonzerten (etwa die Hälfte davon für Violine) auch an die 50 Opern, von denen die meisten allerdings verloren gingen. Die Sinfonia Nr.1 in C-Dur steht noch in der Tradition dieser Opern-Sinfonia (Ouverture).

 

Giovanni Battista Sammartini (geboren in Mailand, wo er auch den größten Teil seines Lebens verbrachte) war als Oboist, Organist und Kapellmeister tätig. Er widmete sich intensiv der Sinfonie, welche gerade eine enorme Entwicklungsphase durchmachte: von der barocken Sinfonie Vivaldi`s hin zu frühklassischen sinfonischen Form von Stamitz. In der Sinfonia in A-Dur sind sehr deutlich einerseits die Wurzeln des Barock noch hörbar, andererseits aber auch die Anzeichen eines frühklassischen Stils bereits unverkennbar.

Markus Ellensohn